Tag der Erfinder 2019 im Wissenschaftszentrum Kiel Innovationskultur in Schleswig-Holstein - über Grenzen hinaus

Resümee
  • Wann 09.12.2019 um 18:00 bis 31.12.2019 um 20:00 (Europe/Berlin / UTC100)
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 Tag der Erfinder 2019 im Wissenschaftszentrum Kiel 

Innovationskultur in Schleswig-Holstein - über Grenzen hinaus 

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Kiel Innovationskultur in Schleswig-Holstein – über Grenzen hinaus so lautete der Titel der Veranstaltung am 11.11.2019 im Wissenschaftszentrum Kiel, zu der die Patent- und Verwertungsagentur für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Schleswig-Holstein (PVA SH GmbH) zum dritten Mal Gäste aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Hochschulen eingeladen hatte. Anlass war der Tag der Erfinder, und ca. 70 Kenner, Förderer und Unterstützer der Innovationskultur nutzten den Tag für einen intensiven Austausch. 

Der Tag der Erfinder wird jedes Jahr zu Ehren der Erfinderin Hedy Lamarr, an ihrem Geburtstag, dem 09. November gefeiert und von der PVA SH GmbH zu Zukunftsthemen im Bereich Innovation / Gesellschaft / Politik mit einer Veranstaltung gewürdigt, um die Innovationskultur in Schleswig-Holstein voranzutreiben. Ziel der Veranstaltung war ein Erfahrungsaustausch von Wissenschaftlern, Forschergruppen und Gründern mit Politikern und Fördermittelgebern sowie mit Fachleuten des Wissens- und Technologietransfers im Zusammenspiel mit Geistigem Eigentum („intellectual property rights“, IPR) und Entrepreneurship. 

Zur Begrüßung und Motivation stellte die Geschäftsführerin der PVA SH GmbH, Frau Bärbel Winter-Claus, die These auf, dass es für eine positive Entwicklung des Landes eine langfristig angelegte Innovationskultur geben müsse, und dass Schleswig-Holstein hier noch am Anfang stehe. Auch wenn Gründer und StartUps in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit von der Politik bekommen hätten, sei der Weg für Ausgründer aus den Hochschulen noch immer sehr steinig. 

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Bärbel Winter-Claus (PVA SH GmbH) begrüßt zum Tag der Erfinder 2019 

Unter dem Titel Grenzen der Politik bei der Stärkung von Innovationen in Schleswig-Holstein bekannte sich Minister Dr. Bernd Buchholz als engagierter Unterstützer einer mutigen Gründerkultur, die auch mit Risikokapital unterstützt werden müsse. Gleichzeitig mahnte er an, dass – in einem kleinen Bundesland wie Schleswig-Holstein – der Zusammenhalt der zahlreichen Akteure und wissenschaftlichen Einrichtungen im Lande von entscheidender Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg insgesamt sei. Der Minister empfahl den Hochschulen eine gemeinsame Strategie im Technologietransfer zu verfolgen. 

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Minister Dr. Bernd Buchholz zum Thema „Grenzen der Politik bei der Stärkung von Innovationen“ 

Über ihre positiven Erfahrungen im hochschul- und grenzübergreifenden Forschungsprojekt zu neuen Filtertechnologien zur Bindung von Mikroplastik und Feinstaub berichteten Prof. Dr.-Ing. Jan Weychardt (FH Kiel) und Dr. Martina Baum (CAU) gemeinsam. Anschaulich stellten sie dar, wie umfassend die negativen Auswirkungen durch die Zunahme der Kleinstpartikel in der Atmosphäre schon geworden sind und was die drei Projektpartner mit ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit für den Schutz unserer Lebensqualität weiter erreichen wollen. 

Sowohl Herr Professor Weychardt als auch Frau Dr. Baum machten dem sehr interessierten Plenum deutlich, wie wichtig die Bindung der Kleinstpartikel zu größeren Einheiten sei, um mit Filtertechnologien überhaupt erfolgreich sein zu können. 

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Jörg Czarnowski (PVA SH GmbH) stellt Herrn Prof. Dr. Jan Weychardt (FH Kiel) und Frau Dr. Martina Baum (CAU) dem Publikum vor 

Der anschließende Beitrag von Dr. Tom Kwasnitschka (GEOMAR) gab den Zuschauern einen Einblick in die digitale Erfassung des Meeresbodens und in die vielfältigen Möglichkeiten von rechnergestützter Datenverarbeitung in der Forschung. So kann das Kartieren des Meeresbodens dank räumlicher Visualisierung ansonsten schwer überschaubarer Messdaten für den Geologen und andere Wissenschaftler simuliert und „erlebbar“ gemacht werden. 

Herr Dr. Kwasnitschka unterstrich zugleich, wie wichtig die Zusammensetzung von Expertenteams aus unterschiedlichen Fachrichtungen für den langfristen Erfolg in der Meeresforschung ist. 

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Dr. Tom Kwasnitschka (GEOMAR) erklärt die digitalen Modelle des Meeresbodens 

Nach einer entspannten und kommunikativen Mittagspause präsentierten Prof. Dr. Alexa Klettner (UKSH) und Dr. Inez Linke (oceanBASIS) ein in vielfacher Hinsicht grenzüberschreitendes Projekt: Im Interreg-Projekt FucoSan haben sich acht Projektpartner (deutsche und dänische Universitäten, Kliniken und Firmen) zu einem regionalen Cluster zusammengeschlossen, um das Thema Algen als noch wenig genutzte marine Bioressource intensiv zu beleuchten. 

Konkret berichtete Frau Professorin Klettner von ihren Forschungsergebnissen, die bereits gezeigt haben, dass die in den Braunalgen enthaltenen Fucoidane zur medizinischen Anwendung in der Augenheilkunde geeignet sind und insbesondere die altersabhängige Makuladegeneration – eine Erkrankung, die zur Erblindung führt - therapieren könnten. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass der Weg der Forschungsergebnisse in die Unternehmen und damit in die Gesellschaft noch viele Hürden aufweist. 

Frau Dr. Linke erzählte die Geschichte ihres jetzt 18-jährigen Kieler Unternehmens oceanBASIS, welches im Projekt FucoSan die Anwendung der Fucoidane in der Kosmetik prüft. Wichtig war beiden Referentinnen die Feststellung, dass der Weg bis zur Zulassung einer medizinischen Anwendung über viele Versuchsreihen und medizinische Studien ein komplexes Verfahren sei, während der Verkauf kosmetischer Produkte ungleich schneller realisiert werden könne. 

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Frau Winter-Claus (rechts) begrüßt Frau Prof. Dr. Klettner (links) und Frau Dr. Linke (Mitte) 

Unter dem Motto „Technologietransfer: von der Forschung in die Industrie“ erläuterte anschließend Dr. Iris Hölken (Phi-Stone AG), welche Schwierigkeiten beim Umgang mit Infrastruktur, vorhandenen Ressourcen und gewerblichen Schutzrechten entstehen, wenn eine innovative Idee aus der Hochschule in ein privates Unternehmen übergeben werden soll am Beispiel der Phi-Stone AG. 

In der Phi-Stone AG (eine Ausgründung aus der Technischen Fakultät der CAU) wirkt ein engagiertes und leistungsfähiges Team aus Wissenschaftlern und Ingenieuren, das neue materialwissenschaftliche Problemstellungen identifiziert, Lösungsansätze für die Wirtschaft entwickelt und daraus Schlüsseltechnologien für die Zukunft in den Markt bringt. Frau Dr. Hölken stellte in ihrem Vortrag exemplarisch neben einem neuen Fügeverfahren für Metall-Kunststoff-Verbindungen und ungiftigen Schutzschichten für marine Oberflächen (inkl. Schiffe) auch die kürzlich bei der Phi-Stone AG angelaufene Produktion eines anorganischen, antivirale Wirkstoffs vor, der demnächst am Markt verfügbar sein solle. 

Die enormen Vorleistungen für die Produktentwicklungen werden in erster Linie mit privatem Kapital bewerkstelligt. Die PVA SH GmbH als Gesellschaft der Hochschulen ist eine Aktionärin der Phi-Stone AG. 

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Frau Winter-Claus (rechts) begrüßt Frau Dr. Hölken (links)

Zum Abschluss des Tages lud am Nachmittag die Moderatorin Heike Herma Thomsen (Life Science Nord) zur Podiumsdiskussion ein: 

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v.l.n.r.) Heike Herma Thomsen (Moderation), Detlef Matthiessen (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Bettina Möllring (Muthesius Kunsthochschule), Dr. Warner Brückmann (GEOMAR), Dr. Gerd Küchmeister (FH Kiel) 

Nach einer kurzen Aufwärmrunde zu den Assoziationen der Diskussionsteilnehmer zum Begriff „Grenzen“, wurden Forderungen und Anregungen zur Beseitigung der Grenzen im Technologietransfer bzw. zur Verbesserung der derzeitigen Situation beim Transfer von Forschungserbnissen in die Gesellschaft formuliert: 

  • • Politik muss eine kohärente Strategie vorgeben und deren Einhaltung sicherstellen 
  • • Aufstellung der Ministerien sollte überdacht werden 
  • • Förderlandschaft muss an die lokalen Verhältnisse angepasst werden 
  • • Lange Bearbeitungszeiten und fehlende Ressourcen sind als Bremsen zu lösen 
  • • „Fadenabrisse“ verhindern durch eine Innovationsstiftung, um Abwanderungen von Menschen und Knowhow zu verhindern 
  • • Anschlussfinanzierung nach Projektenden sollte möglich sein 
  • • Mentoren als wertvolle Unterstützung für unerfahrene Erfinder und Gründer sollten gefunden und eingebunden werden 
  • • Coaching – Programme für Forscher zur Projektfinanzierung 
  • • Querschnittsaufgabe Technologietransfer: keine institutionellen Grenzen, Vertrauen wachsen lassen 
  • • Kommunikation und Austausch verstärken 
  • • Mehr Zusammenarbeit zwischen den wissenschaftlichen Einrichtungen 
  • • Gemeinsame Service-Struktur für alle Wissenschaftseinrichtungen in Schleswig-Holstein, z.B. PVA SH GmbH 

 

Zum Schluss gaben die Podiumsteilnehmer je einen kurzen Appel zur Grenzüberwindung: 

Dr. Gerd Küchmeister (FH Kiel): 

„Wirtschaft und Wissenschaft in einem Ministerium bündeln.“ 

Dr. Warner Brückmann (GEOMAR): 

„Keine Zersplitterung – PVA als Innovationsagentur.“ 

Prof. Dr. Bettina Möllring (Muthesius Kunsthochschule): 

„Kommunizieren und kooperieren - mehr Unterstützung von Seiten der Politik“. 

Detlef Matthiessen (Bündnis90/Die Grünen): 

„Schleswig-Holstein-Lösung suchen – 

Technologietransfer im Wirtschaftsministerium bündeln“. 

Aus den Statements der Diskussionsteilnehmer und der insgesamt sehr lebhaften Diskussion der Veranstaltungsteilnehmer im Plenum und in den Pausen konnte für den diesjährige Tag der Erfinder als Resümee festgestellt werden: 

Der Technologietransfer in Schleswig-Holstein ist eine Querschnittsaufgabe, die keine institutionellen Grenzen kennen sollte. Austausch und Kommunikation sowie die Bündelung der Anlaufstellen sowohl auf Seiten der Politik als auch auf Seiten der Forschungseinrichtungen und Hochschulen sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreichen Transfer wissenschaftlicher Forschungsergebnisse in die Wirtschaft. 

Eine langfristig angelegte Innovationskultur steht in Schleswig-Holstein immer noch am Anfang. 

Die Veranstaltungsreihe der PVA SH GmbH zum Tag der Erfinder wird fortgesetzt. 

Nochmals vielen Dank an alle Teilnehmer! Die offene Diskussion hat wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen. Wir freuen uns schon jetzt auf eine rege Teilnahme im Jahr 2020 – zum Tag der Erfinder. 

Mit freundlichen Grüßen 

Bärbel Winter-Claus 

Geschäftsführerin PVA SH GmbH 

Und Geschenke gab es auch… 

Alle Fotos: PVA SH GmbH